2005

Sanierung Wohn- und Geschäftshaus
Hirschstraße 4, Ulm

Bei dem dargestellten Gebäude handelt es sich um den Umbau und die Sanierung eines Wohn- und Geschäftshauses aus dem Jahre 1956 mit dem Schwerpunkt auf energieeffizienter innovativer Fassadensanierung. Das Projekt gilt als eines der Pilotprojekte in Deutschland für den Einsatz einer thermisch dynamischen Gebäudehülle.

Sämtliche Arbeiten im und am Gebäude wurden unter laufendem Betrieb, ohne Entmietung der Räumlichkeiten, in einer Bauzeit von 7 Monaten durchgeführt.

Im Inneren lag der Schwerpunkt auf einer Neugestaltung der beiden Treppenhäuser incl. Zugangssituation, dem Umbau der dem Cafebetrieb zugehörigen Backstube und einer Sanierung der einzelnen Mieteinheiten, sowie dem Bau eines Wintergartenersatzes mit Zugang zur Dachterrasse. Die Gebäudetechnik wurde auf den aktuellen Stand gebracht. Nicht in die Baumaßnahmen mit einbezogen war der Ausbau des Cafes sowie die Ladenzone und die Schalterhalle im Erdgeschoss.

Bestandssituation Fassade / Neugestaltung Fassade:

Die Gebäudeteile Hirschstrasse und Pfauengasse waren ursprünglich mit grünen Natursteinplatten verkleidet, der Giebel des Hauptgebäudes wurde von einem Stahlbetonrahmen eingefasst.

Die strukturell wesentlichen Merkmale der vorgefundenen Fassade waren auch für die Neugestaltung der Fassade bestimmende Parameter. So wurde z. B. das Verhältnis von geöffneter zu geschlossener Fassadenfläche größtenteils beibehalten, die Tragstruktur des Gebäudes wurde als Teilung der neuen Fassade konsequent nach außen getragen. In der Ausformulierung der Fassadengestaltung wurden die beiden Gebäudeteile Hirschstrasse und Pfauengasse jedoch grundsätzlich unterschiedlich behandelt:

Die Pfauengasse stellt sich als klassische Lochfassade dar. Durch flächenbündig in die Putzebene integrierte transluzente Fensterelemente wurde der "Loch"-Anteil verkleinert und somit in ein spannungsvolleres Verhältnis zur geschlossenen Fläche gesetzt. Zugleich ermöglichen diese Elemente ausreichend blendfreie Belichtung sobald der Sonnenschutz der Fenster aktiviert ist.

Für die Hauptfassade wurde eine Kastendoppelfassade entwickelt. Die Primärstruktur lebt von dem Relief der Brüstungsbänder und Holzfensterelemente. Die Brüstungen wurden mit einer dynamischen Wärmedämmung verkleidet. Der Stahlbetonrahmen des Giebels wurde der Materialität der Gesamtfassade entsprechend mit einem fugenlosen Stahlblech verkleidet. Die Sekundärstruktur in Form einer Einscheibenverglasung verleiht dem Gebäude eine verstärkte Körperlichkeit und Homogenität. Somit wird der stadträumlichen Anforderung an das Gebäude als Abschluss der Hirschstrasse bzw. Gelenkfunktion zur Pfauengasse Rechnung getragen.

Dämmen mit Licht

Im Brüstungsbereich wurde vor die statische Dämmung eine spezielle Solarwabe montiert. Die Sonnenstrahlung wird in der Wabe aufgenommen. Dadurch entsteht eine thermische Zone, welche den Temperaturunterschied zwischen Innenraum und Außenklima puffert.

Im Winter dringt die solare Strahlung durch den flachen Winkel sehr tief in den Kern der Solarwabe ein und erwärmt diesen je nach Strahlungsintensität auf bis zu 80°C. Die Temperatur in der Wabe bertägt im Mittel etwa 18°C.

In den Sommermonaten wird der Großteil der Solarstrahlung an der Oberfläche der Wabe reflektiert und abgelüftet. Auf ein aktives Abschattungssystem kann somit verzichtet werden.

Der über das Jahr errechnete mittlere dynamische U-Wert auf der Südfassade beträgt 0,05 W/m²K. Dies entspricht einer Reduktion gegenüber dem statischen U-Wert von ca. 70%. Der Energiekennwert des Gebäudes konnte durch die Sanierung von 100 kWh/m² pro Jahr auf 25 kWh/m² pro Jahr abgesenkt werden.

 
Projekttyp:
Wohn- und Geschäftshaus

Bauherr:
Ulmer Volksbank eG

Bausumme (KG 300+400):
3.0 Mio EUR

Komplettsanierung ohne Entmietung der Räumlichkeiten. Energetisch optimierte Fassadensanierung mit einer thermisch dynamischen Wärmedämmung.

 

 
BGF:
5.500 qm

BRI:
15.600 cbm

Projektzeit:
2004-2005

Planungsleistungen:
1.Preis Gutachterverfahren Generalplanerleistungen LP 1-8 HOAI

 

Bestandsbild